Verliebt verlobt verschmolzen
Sofija und ich gingen vor 6 Wochen auf einem grossen Urlaub nach Europa. Gross nicht deshalb, da der Urlaub 4 Wochen lang war, was ich persoenlich fuer so einen grossen Urlaub als kurz empfinde, sondern weil wir in den 4 Wochen halb-Europa anguckten. Das ist natuerlich uebertrieben, es war bestimmt nicht halb-Europa. Wir zirkulierten in dieser kurzen Zeit in 7 Laendern – ist doch was, nicht?
Wien, unser erster Aufenthalt auf der langen Reise, war fuer mich emotional interessant. Ich muss gestehen, dass ich sowohl aufgeregt war meine Familie zu sehen als auch meine Freunde, und die Stadt. Wien war fuer so lange mein zu Hause, dass ich es wie meine Westentasche kenne. Es gibt Winkel und Strassen in der Stadt, die mich an besondere Ereignisse erinnern. Wenn ich durch eine solche Strasse oder Gasse spaziere, erwecken Erinnerungen und Emotionen. Um so schoener war es diesmal gemeinsam mit Sofija durch Wien zu gehen und Wien neu kennen zu lernen. Doch wir waren nicht wegen Wien in Wien sondern um meine Schwester Judith, Michael und Felix zu treffen. Die Zeit mit Ihnen war einfach wunderbar. Man kann kaum beschreiben mit welchen Genuss man Momente an sich reisst wenn man jemanden nach so langer Zeit wieder trifft. Jede kleinste Veraenderung einer Person faellt ins Auge – jede erzaehlt eine Geschichte.
Unsere Reise ging weiter nach Prag. Prag war das erste gemeinsame jungfrauliche Ziel fuer uns – beide waren wir noch nie dort und wir wussten nicht was wir uns erwarten sollten. Ich sage immer, man solch sich am besten nichts im Leben erwarten, doch jeder Mensch erwartet sich immer irgendwas. Prag uebertraf jede Erwartung, Prag ist einzigartig. Das naechtliche romantische rumirren ueber Steinbruecken und unglaublich beleuchteten Gebaude bei Nacht. Die vielen buten Menschen die durch die engen Gassen stroemen. Das Bier. Das Essen. Das Schloss. Prag ist die Hochburg der Liebe.
Die Zugfahrt nach Prag war lang, umdesto mehr freuten wir uns auf die Umarmung meiner Mutter in Brixen. Es war eine etwas eigenartige Situation sich in einer Position zu befinden staendig uebersetzen zu muessen – Sofija und meine Mutter sprechen keine gemeinsame Sprache – doch mit der Zeit gewoehnte ich mich und, was umso faszinierender war, die beiden verstaendigten sich auch untereinander – irgendwie. Das wiederum verstand ich nicht. Ich verstand jedoch das wesentliche und dafuer braucht man keine Sprache zu sprechen: die beiden mochten sich – sehr. Das machte mich gluecklicher als jede Wanderung die wir gemeinsam unternahmen.
Wir fuhren fuer einen Tag nach Meran um zu einem Konzert von Emiliana Torrini zu gehen. Das Konzert fand in den Gaerten des Schlosses Trauttmansdorff statt – bei Nacht. Die Buehne war auf dem kleinen Teich in den Gaerten. Die Stimmung war bezaubernd, luftig betoerend zwischen Sizilien und Island, warm und melancholisch. Ich fand, dass dieser Augenblick ein spezieller Augenblick fuer uns beide war. Dieser Abend wird auch als jener Abend in Erinnerung bleiben an dem wir uns beide verlobt haben. Etwas was ich feststellen musste ist, dass wenn ich Freunden von der Verlobung erzaehle, sie mich sofort fragen, wann wir heiraten werden. Ich finde das schrecklich, da ich konkret ueberhaupt nicht an eine Heirat dachte, weder als ich den Ring kaufte, noch wenn ich Sofija um die Hand bat. Das mag verrueckt sein, doch ich finde, dass die Verlobung an sich ein so grosser Schritt ist, den wir mal geniessen und leben wollen, dass es noch keinen Platz fuer den Gedanken der Hochzeit gibt. Ueberhaupt finde ich, dass viele Menschen glauben, dass die Verlobung nur eine entwertete Vorstufe der Hochzeit sei. Das bestreite ich. Ich finde, dass die Verlobung ebenso wichtig ist wie das Event der Hochzeit und ausserdem finde ich, dass beide nicht ausschliesslich das andere voraussetzen. Man kann sich verloben und sich keine Gedanken ueber die Hochzeit machen, der Beweis sind wir. Ich finde ueberhaupt den Begriff Verlobung als solchen nicht zeitgemaess. Wenn ich ihn benutze um das zu beschreiben was ich bezwecke ist es um es anderen einfacher zu machen zu verstehen was wir leben. Sofija und ich leben in einem Stadium das uns so nahe gebracht hat, dass wir uns ein Leben voneinander nicht mehr vorstellen koennen weil wir uns lieben, schaetzen und brauchen, weil wir gemeinsam den Weg des Lebens (wie kitschig das auch klingen mag) gehen wollen. Die Eingestehung dieses Zustandes von uns brachte mich dazu diesen durch ein Symbol des Ringes zu wuerdigen um unsere Gedanken und diesen festzuhalten. Nun, es faellt schwer einen Begriff fuer diesen Zustand neu zu erfinden und daher verwendete ich “Verlobung” als solchen, jedoch nicht die klassische Verlobung sondern die unsere eigene Art von Verlobung, die jedoch nicht minderwertig ist in allem was die klassische besitzt. Dies bedeutet nun nicht, dass eine Hochzeit ausgeschlossen ist. Es bedeutet nur nicht, dass eine Hochzeit geplant ist. Ich finde, so wie es mit der “Verlobung” geschehen ist, sollte es wenn, dann auch mit der Hochzeit geschehen. Sie soll dann stattfinden wenn wir eine Hochzeit als angemessen erachten, wenn diese ein Schritt wird fuer den wir uns freuen und vor allem bereit sind. Die Hochzeit muss zum Augenblick passen, so wie die “Verlobung” zu Augenblick gepasst hat. Ich finde ueberhaupt wir leben in einer sehr egomanen Zeit. Die Welt sozialen Strukturen wandeln sich von einem miteinander und fuereinander zu einem ich-und-kein-anderer um. Man betrachte nur sich selbst wie viel man besitzt um aufzufallen, um herauszustechen, um sich zu kommunizieren. Dieses egomane Weltbild braucht neue egoman freundliche Strukturen da alte Strukturen wie politische Strukturen (Demokratie) oder religioese Strukturen (Christentum) ueberholt werden. Was geschieht ist, dass Menschen an diesen alten ueberholten Strukturen interesse verlieren und sich ihre eigene schaffen – ihre eigene Politik (eigene Meinungen zaehlen mehr als Meinung einer jeden Partei) und ihre eigene Religionen. Begriffe sind keine Ausnahme da Begriffe die kuerzeste Beschreibung eines “Etwas” sind. Wenn nun dieses “Etwas” auch ueberholt ist brauchen wir einen neuen Begriff um diesen mit “Etwas neuem” zu ersetzen. Ich sage das deshalb, da dies eine moegliche Erklaerung fuer das ist was uns im Sinne unserer “Verlobung” geschah. Ich glaube, es gibt keinen anderen Begriff der das was wir bezwecken besser beschreiben kann doch andererseits, ist es nicht ganz das, was wir wirklich bezwecken. Wenn ich fuer das was wir bezwecken einen Begriff erfinden muesste wuerde ich ihn “Verschmelzung” nennen. Also noch mal von vorn. Sofija und Ich haben uns verschmolzen. Na wie klingt das?
Ein paar Tage nach der Verschmelzung fuhren wir nach Interlaken. Interlaken liegt in der Schweiz, sanft gebettet inzwischen zwei grossen Seen und vor den Fuessen hoher 4.000er Berge. Auf einen von diesen fuhren wir mit einer speziellen Bahn hoch und genossen einen Tag lang einen unglaublichen Tag im Schnee auf einem Gletscher. Wir fuhren nach 2 Tage wieder. Ich verabschiedete mich mit einem massiven Sonnenbrand den ich mit nach Nizza nahm.
Vom Gletscher zum Badestrand in 24 Stunden ist ein eigenartiges Gefuehl. Man moechte Schneebaelle werfen wirft jedoch Sand um sich – ach ja – Steine um genau zu sein denn in Nizza gibt es keinen Sand Strand. Den fanden wir in Cannes. Leider sahen wir keine beruehmte Persoenlichkeiten – suchten jedoch auch nicht solche da wir uns selbst fuer welche hielten. Der Tagesausflug von Monaco war gepraegt mit interessanten Entdeckungen wie die vielen Aufzuege in der Stadt und die Sammlung alter Automobile des Prinzen.
Ich war schon mal in Cinque Terre doch es ist jedesmal ein Erlebnis jene Doerfchen an der italienischen Kueste zu besuchen. Wir wanderten von einem zum anderen Doerfchen und beschritten die “Via dell’ amore”. Wir befereundeten uns mit einem amerikanischen Paerchen das sich ebenso wunderte wieso an einer Starssenecken immer drei Katzen schliefen als waeren sie Geschwister.
Venedig war die kulturelle Kroenung unseres maechtigen Ausflugs und etwas mit Melancholie getruebt da das Ende des gemeinsamen Ausflugs naeherte und damit auch die unweigerliche Trennung fuer weiter 2 langen Monaten. Der Besuch der Biennale di Venezia liess uns jedoch alles fuer einen Tag vergessen und wir schwirrten wie Bienen von einem zum naechsten Pavillion.
Nun, zurueck nach Hause, beschaeftige ich mich mit der Frage was ich mit all den Fotos am besten anfangen soll. Natuerlich vermisse ich mein anderes Ich extrem, freue mich jedoch bereits sie wieder bald umarmen und kuessen zu koennen damit wir gemeinsam unser noch so langen und wundervollen Weg weiter beschreiten koennen.